Schreibrezept 10

Mehr Schreibstrategien – mehr Möglichkeiten

Berufliche Schreiber*innen entwickeln im Laufe der Zeit ihre ganz persönlichen Schreibstrategien. Da gibt es die Drauflosschreiber*innen, Strukturierer*innen, Recycler*innen oder Versionenschreiber*innen und noch viele andere. Sie alle gehen ganz verschieden an die Textproduktion heran. Viele lassen sich nicht einer einzigen Kategorie zuordnen, sondern sind im besten Fall Mischkulanzen.

Mischkulanz

Mischkulanz ist ein österreichischer Begriff für (gute) Mischungen. ‎Je mischkulanziger wir schreiben können, also je mehr verschiedene Schreibstrategien wir parat haben, desto größer wird die Anzahl der Möglichkeiten,

  • um in den Schreibfluss zu kommen,
  • für mehr Frische in unseren Texten,
  • um aus anderer Perspektive Themen neu zu beleuchten.

Es kommt immer darauf an

Die Mischkulanzen unter den Schreibenden wenden verschiedene Strategien gezielt an, abhängig von der Textanforderung, von der Schreibstimmung oder vom Zeitdruck. Die Drauflosschreiber*innen schreiben – eh klar – einfach einmal drauf los. Sie entwickeln währenddessen oder in einem nächsten Schritt den roten Faden. Strukturierer*innen planen ihren Text genau, bevor sie entlang ihrer Struktur tatsächlich schreiben. Wer recycelt, arbeitet mit bereits vorhandenen Texten und kreiert daraus Neues. Und Versionenschreiber*innen produzieren zum selben Thema verschiedene Varianten, solange, bis sie zufrieden sind.

So mache ich es

Bei komplizierten Themen, in die ich mich erst einarbeiten muss, bin ich klar eine Strukturierer*in. Bei Themen, zu denen gefühlt bereits Hunderte Versionen im Internet kursieren, schreibe ich am liebsten drauflos, um so neue Perspektiven zu finden. Bei meinen persönlichen Spezialthemen wende ich oft die Recyclingmethode an, denn das Rad muss nicht neu erfunden werden. Verschiedenen Versionen schreibe ich meist dann, wenn ich zu früh mit einem Text beginne (aus welchen Gründen auch immer).

Wie schreibst du?

Es gibt jede Menge Schreibtypen und Schreibstrategien – und dann gibt es dich und deine persönlichen Herangehensweisen. Wenn du an dein Schreiben denkst, welche Strategie(n) wendest du an? Bist du schon eine schreibende Mischkulanz?

Mein Tipp: Reflektiere deine Lieblingsstrategie, probiere bewusst eine neue aus und schau, was passiert.

  • An alle Strukturierer*innen: Schreib einfach mal zehn Minuten drauflos, einfach so. Und keine Sorge: Niemand liest deinen Text und er kann und darf schlecht sein. Du überarbeitest ihn ja später sowieso.
  • An die Drauflosschreiber*innen: Probiere vor dem Schreiben ein Cluster oder Mindmap, um Gedanken und Themen zu ordnen für deinen Text, fünf Minuten. Und ja: Diese fünf Minuten könnten dir später viel Zeit beim Überarbeiten ersparen.
  • An die Versionenschreiber*innen: Wie wäre es, wenn du dich vor der 5. Version fragst: Ist die wirklich noch notwendig? Dem (vielleicht dahinter versteckten) Perfektionismus könntest du mit einer Gliederung deines Textes vor dem Schreiben begegnen. Das gibt Sicherheit.
  • An die Recycler*innen: Ja, diese Strategie spart Zeit und Energie. Oft braucht es nur ein Überarbeiten der Übergänge. Probiere zwischendurch ein kurzes neues Drauflosschreiben. Du findest so vielleicht ganz neue Ideen.

Wenn du Unterstützung brauchst am Weg zur Mischkulanz – ich begleite dich mit Schreibcoachings oder in Workshops für berufliches Schreiben, nur du und ich oder im Rahmen von Firmentrainings.

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